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umweltfreundlich mobil auch im Urlaub

Interview mit Jenny Gäbler / Geschäftsführerin des Tourismusverbundes Rennsteig-Saaleland e.V.

Auch der Tourismusverbund Rennsteig-Saaleland e.V. hat sich die Förderung umweltfreundlicher und nachhaltiger Mobilität auf die Fahnen geschrieben. Welche Maßnahmen ergriffen wurden, wie die regionalen Besonderheiten berücksichtig wurden und welche Entwicklung man sich für die Zukunft vorstellt, erläutert die Geschäftsführerin des Tourismusverbundes Jenny Gäbler im Interview mit Mobilaro.

Welche Rolle spielen Umweltschutz und Nachhaltigkeit grundsätzlich in den Aktivitäten des Tourismusverbundes Rennsteig Saaleland e.V.?

Jenny Gäbler: Eine sehr große. Unsere Region, das Rennsteig-Saaleland, ganz im Südosten von Thüringen hat sich dem sanften Tourismus verschrieben. Unsere Touristen befinden sich inmitten des 83.000 Hektar großen Naturparkes Thüringer Schiefergebirge/Obere Saale. Keine Frage, dass in unserer täglichen Arbeit und Umgebung Natur- und Landschaftsschutz, Nachhaltigkeit, Umweltbildung  und naturverträgliche Erholung im Einklang mit regionaler Entwicklung ganz groß geschrieben werden. Die Förderung des Natur- und Aktivtourismus spiegelt sich unter anderem in unseren zahlreichen Wander- und Fahrradangeboten sowie Aktivitäten auf unseren Saale-Stauseen Bleiloch und Hohenwarte wieder, die in erster Linie der Stromerzeugung und dem Hochwasserschutz dienen.

Was tun Sie, um die Sensibilität für ressourcenschonendes Wirtschaften bei den touristischen Unternehmen in Ihrer Region weiter zu erhöhen?

Jenny Gäbler: Wir weisen unsere touristischen Anbieter immer wieder auf Zertifizierungs- und Weiterbildungsangebote hin, die diesen Kriterien entsprechen. Die Implementierung von Qualitätsprädikaten in unserer Region wird von uns als Tourismusverbund überaus gern gesehen, vom Umweltsiegel Viabono über Bett&Bike-Betriebe, Qualitätsgastgeber des Deutschen Wanderverbandes bis hin zu der Zertifizierung von sechs ECO-Campingplätzen an den Ufern unserer Stauseen erst in diesem Jahr. Durch die ländliche Prägung unserer Region spielt auch das Thema Direktvermarktung in unseren Restaurants und Gaststätten eine große Rolle.

Innovationen im Bereich der Mobilität benötigen immer etwas Zeit, um den Durchbruch zu schaffen. Welche Maßnahmen ergreifen Sie, um den Kunden zum Beispiel Ihren Pedelec Verleih nahezubringen?

Jenny Gäbler: Hierfür greifen wir auf die klassischen Marketing-Instrumente zurück: Ein informatives Printprodukt oder Messeauftritte sind nur zwei Beispiele. Die Entwicklung von attraktiven Pauschalangeboten sind ein weiterer wichtiger Baustein, in denen beispielsweise ein Ausflug mit dem Elektrofahrrad mit einem Besuch, Massage und Sport-Drink in unserer Ardesia-Therme kombiniert werden kann. Zur Besucherlenkung unserer Pedelec-Touristen in der Region werden wir in wenigen Tagen speziell auf jede Pedelec-Verleihstation zugeschnittene Tourenvorschläge in Form von Abreißblöcken veröffentlichen. Nicht zuletzt lohnt natürlich immer auch ein Blick auf unsere ständig aktualisierte Internetseite www.fahr-rad-mit-pedelec.de.

--------------Jenny Gäbler-----------

Welche Rolle spielt das Fahrrad an sich in Ihrer Region? Wäre ein „normaler“ Fahrradverleih ein Thema für Sie gewesen oder ist die Gegend einfach zu bergig und damit nicht geeignet für klassisches Radwandern?

Jenny Gäbler: Auf Grund der anspruchsvollen Topographie in unserer Urlaubsregion haben wir uns ganz bewusst für die Installation eines flächendeckenden Elektrofahrrad-Verleihs entschieden. Das Saaletal mit seinen unzähligen Windungen und Staustufen, das sich tief in die Höhenzüge des Thüringer Waldes und Thüringer Schiefergebirges einschneidet, verleiht dem Radfahren in unserer Region einen sportlichen Charakter. Um eine möglichst breite Zielgruppe für den Radtourismus zu begeistern, eben auch ältere Personen und Familien mit Kindern, ist der Verleih von Pedelecs rund um das Thüringer Meer überaus sinnvoll. Da diese Fahrräder mit Hilfsmotor nichtsdestotrotz noch mit gewissen Vorurteilen behaftet sind, kann man bei uns aber natürlich auch „normale“ Fahrräder, insbesondere Mountainbikes, vielerorts ausleihen.

Können Urlauber bei Ihnen in der Region auf Carsharing Angebote zurückgreifen?

Jenny Gäbler: Leider nein. Jedenfalls nicht das dies uns bekannt wäre. Auf Grund der idyllischen Lage und ländlichen Umgebung, in der sich das Rennsteig-Saaleland befindet, ist Anreisemittel Nummer eins nach wie vor der PKW bei uns.

Welche Rolle wird Carsharing in Zukunft bei Ihnen spielen?

Jenny Gäbler: Derzeit sind uns keine Projekte bekannt, die diese Entwicklung in absehbarer Zeit befördern würden. Oder aber wir als Tourismusverbund sind in derartige Projekte derzeit vordergründig nicht eingebunden. Grundsätzlich können wir diesen Trend jedoch nur unterstützen und hoffen, diese Angebote in Zukunft auch in unsere touristische Arbeit mit einbeziehen zu können.

In großen Städten wie Hamburg ist Bikesharing ein neues und sehr erfolgreiches Phänomen. Planen Sie ähnliche Angebote in Ihrer Region zu unterstützen oder sind Touristen mit einem klassischen Fahrradverleih ausreichend gut bedient?

Jenny Gäbler: Auf Grund unserer derzeitigen Gästestruktur und Quantität, sowie der vorhandenen Angebotsstruktur touristischer Produkte in unserer Region, können wir ganz klar sagen, dass der klassische Fahrrad- und Pedelec-Verleih, ergänzt durch ÖPNV-Angebote (z.B. Fahrradbus), reaktivierte Bahnstrecken teilweise mit Draisinenverkehr sowie Bootsverleihe und Fahrgastschifffahrten auf unseren Saalestauseen, die Mobilität der Gäste im Rennsteig-Saaleland ausreichend gut gewährleistet.

Wassersport spielt in Thüringen entgegen aller Erwartungen durchaus eine größere Rolle. Erläutern Sie doch bitte, warum das so ist und wie Sie versuchen, auch dieses Angebot möglichst nachhaltig und umweltschonend zu gestalten.

Jenny Gäbler: Der Fluss Saale, der unsere Region durchwindet, bildet mit der fast 80 km langen und fünfmal gestauten Saalekaskade das sogenannte Thüringer Meer. Allein die Bleiloch-Talsperre mit ihrem Fassungsvermögen von 215 Millionen Kubikmetern Wasser ist  die größte Talsperre Deutschlands. Zusammen mit der ein paar Kilometer flussabwärts folgenden Hohenwarte-Talsperre findet man hier das größte zusammenhängende Stauseegebiet Deutschlands, das bereits im Jahre 1932 angestaut wurde. Den Bootsverkehr auf unseren Stauseen, der derzeit die Benutzung von Motorbooten mit Verbrennungsmotoren noch erlaubt, werden wir in den kommenden Jahren, sobald die infrastrukturellen Voraussetzungen hierfür geschaffen sind, auf Elektroantriebe umstellen. Umweltschonende Fortbewegung auf dem Wasser ist jedoch auch schon jetzt möglich. An diversen Anlegepunkten entlang der Stauseen verkehren Elektoboot-Shuttle, in unserem Erholungsort Saalburg-Ebersdorf können Elektro-Floße von jedermann ausgeliehen werden. Gäste, die Interesse an nachhaltiger Energiegewinnung hegen, sind beispielsweise an unseren Pumpspeicherkraftwerken gut aufgehoben. Ganz in Wassernähe, im idyllischen Urlauberstädtchen Ziegenrück kann außerdem das einzige noch im Original erhaltene Laufwasserkraftwerk Deutschlands, das Wasserkraftmuseum in Ziegenrück, besichtigt werden. Nicht zu guter Letzt sind auch Badegäste in unseren unzähligen kleinen Buchten und Badestränden und Wasserwanderer am Thüringer Meer herzlich Willkommen!

 

Frau Gäbler, vielen Dank für das Gespräch!

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