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Es hat sich entwickelt!

Das Fahrrad gestern und heute

Als der Karlsruher Erfinder Karl Drais im Jahr 1817 das Zweiradprinzip erfand, konnte noch niemand ahnen, dass knapp 200 Jahre später mehr als vier Millionen Fahrräder in Deutschland verkauft werden würden. Die  Fahrräder der ersten Jahren können jedoch nur schwerlich mit den heutigen Modellen verglichen werden. Kennzeichnend war seinerzeit das Fehlen von Pedalen und so handelt es sich eher um Laufmaschinen als um ernstzunehmende Fahrzeuge. Entsprechend war auch die Nutzung des Fahrrads stark limitiert und beschränkte sich auf den Freizeitbereich. Erste Rennen wurden 1819 in England und ab 1829 auch in Deutschland gefahren.

Den ersten Entwicklungsschub erlangte das Fahrrad durch die Erfindung der Pedale. Hier ist unklar, wer verantwortlich zeichnet. Fest steht jedoch, dass die ersten Fahrräder mit Tretkurbel in den 1860er Jahren erschienen und die ersten Hochräder auf eine Entwicklung von 1870 zurückgehen. Das Hochrad zeichnete sich durch eine hohe Alltagstauglichkeit aus, erforderte jedoch viel Geschick und einen hohen Gleichgewichtssinn seitens der Fahrer. Die Höchstgeschwindigkeit bei Rennen lag allerdings bereits bei stattlichen 40 km/h.

Während das Hochrad noch mit einem Vorderradantrieb versehen war, erschien das erste Fahrrad mit Hinterradantrieb auf die 1870er Jahre. In derselben Dekade etablierte sich auch der Kettenantrieb und so waren die Grundsteine für Fahrräder im heutige Sinn gelegt.

Ebenfalls noch im 19. Jahrhundert folgten die Erfindung des Luftreifens, des Diamantrahmens und der Kugellager. Zudem wurden der Freilauf und schließlich – im Jahr 1907 – die erste Gangschaltung für das Fahrrad entwickelt.

In den folgenden Jahren war der Fahrrad -Boom nicht mehr aufzuhalten. Die neuen Innovationen bestanden jedoch meist in der Verwendung leichterer Materialien oder in der Weiterentwicklung bestehender Technologien. Meilensteine folgten erst wieder in den 1990er Jahren mit der Etablierung von Federungen für Alltagsräder. Ebenfalls wegweisend waren die ersten Nabendynamos und Rückleuchten auf Diodenbasis. Ebenfalls zu erwähnen ist das Elektrofahrrad, das zwar schon in frühen Jahren erfunden war, jedoch erst in der jüngsten Zeit an Bedeutung gewonnen hat.

Analog zur technischen Entwicklung des Fahrrads ist auch die Durchsetzung in der Gesellschaft zu verzeichnen. Als günstiges und gesundes Individual-Verkehrsmittel erfolgte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein Boom, der jedoch nach und nach abebbte. Zu groß war die Konkurrenz durch Motorrad und Auto. Erst in den 1970er kam es zu einer flächendeckenden Wiederentdeckung des Fahrrads. Hintergrund war die Öko-Bewegung, die auch die ersten Impulse für die Schaffung eines umfangreichen Fahrradwege-Netzes gab. So kommt es, dass in Städten wie Münster oder Kopenhagen mittlerweile 35 Prozent der Verkehrsteilnehmer mit dem Fahrrad unterwegs sind.

Dabei ist es immer weniger vonnöten, mit dem eigenen Drahtesel zu fahren. Dank Trends wie Rent a bike ist es möglich, Fahrräder gegen einen geringen Preis auszuleihen und zu nutzen. Angesichts der steigenden Preise für Benzin ist ein Ende des Fahrradtrends nicht zu erwarten.

Allein im Bereich “Elektrofahrrad“ werden nach Angaben der Branche Jahr für Jahr 300.000 Einheiten verkauft und die Verkaufszahlen für Fahrräder und Zubehör erreichen immer neue Rekorde. In Deutschland werden 4,3 Millionen Fahrräder pro Jahr verkauft und auch Frankreich und Großbritannien liegen mit Werten von 3,4 Millionen bzw. 3,3 Millionen nur knapp dahinter. Hinsichtlich der Fahrradherstellung liegt derzeit Italien mit 2,38 Millionen Rädern an der Spitze. Es folgt Deutschland mit 2,37 Millionen Drahteseln.

 

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