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Ein Plan für 70 Millionen Räder

Was im Nationalen Radverkehrsplan 2020 steckt

Anfang September hat das Bundeskabinett den Nationalen Radverkehrsplan 2020 (NRVP) beschlossen, der am 1. Januar des nächsten Jahres in Kraft tritt. Als Grundlage der deutschen Radverkehrspolitik definiert er die Rahmenbedingungen und soll laut Aussage des Bundesministers zur Stärkung des Fahrradverkehrs führen, der als nachhaltige Mobilitätsform erkannt worden sei. Die Ankündigung klingt gut, doch was steckt dahinter?

Deutschlandweit ist der Radverkehrsanteil bisher angestiegen – Zunahme zwischen 2002 und 2008: 17 Prozent –, woran sicherlich neben einem allgemeinen Bewusstseinswandel auch der veränderte Umgang mit dem Zweirad durch Kommunen und Bund seinen Anteil trägt. So sind allein vom Bund in den vergangenen zehn Jahren 877 Millionen Euro in den Bau und die Erhaltung von Radwegen an Bundesstraßen investiert worden. Der neue NRVP soll hieran anschließen und auch neue Herausforderungen an die Verkehrspolitik wie die zunehmende Elektromobilität im Radverkehr und Kapazitätsprobleme in Ballungszentren angehen. Denn man geht davon aus, dass die Zahl von derzeit in Deutschland existierenden 70 Millionen Räder zunehmen wird. Statt heute zehn werden 2020 15 Prozent als Anteil der Fahrräder am Gesamtverkehr prognostiziert. Für den ländlichen Raum bedeutet dies ein Anstieg von jetzt acht auf 13 Prozent, für die Städte von elf Prozent auf 16.

Interessant am NRVP ist zunächst, dass nicht mit aller Gewalt die Fahrradfreundlichkeit generell gesteigert werden soll. Vielmehr geht man von verschiedenen Vorrausetzungen in den jeweiligen Kommunen aus und empfiehlt je nach Ausgangslage verschiedene Maßnahmen, um den Radverkehr zu stärken. Das erscheint eine vernünftige Herangehensweise zu sein, die eher zu nachhaltigen Einsichten und eigener Motivation bei den kommunalen Planern führt als ein konkretes Dekret von Bundesebene.

Als ein wichtiges Handlungsfeld wird die Infrastruktur identifiziert. Und richtigerweise wird diese nicht nur als Radwegenetz begriffen, sondern auch Infotafeln und Schutzhütten – nicht nur im touristischen Bereich –, Serviceangebote für die Fahrräder wie Schlauchautomaten und potenzielle Radler wie verschiedene Bike-Sharing-Systeme, Fahrradstationen und Akku-Auflademöglichkeiten für Pedelecs, Scherbentelefone sowie der Ausbau der Fahrradmitnahme im Öffentlichen Personen Nahverkehr. Dieser Ansatz scheint schlüssig. Fahrrad

Als zweiter Faktor kommt die Verkehrssicherheit für den Fahrradverkehr ins Spiel, die mit entsprechenden Maßnahmen zu erhöhe ist, um das Rad noch attraktiver zu machen. Hier wird vor allem auf Eigenverantwortung der Radfahrer gesetzt und über eine Helmpflicht nachgedacht. Der unverbindliche Appell an die Lkw- und Pkw-Hersteller, entsprechende Assistenzsysteme – insbesondere Abbiegehilfen für Brummis – zu entwickeln, erscheinen allerdings recht wirkungslos. Dass man die Kommunikation pro Fahrradverkehr erhöhen will, erscheint hingegen wieder schlüssig. Das kann die positive Wahrnehmung des Zweirads in der Öffentlichkeit steigern und vielleicht das sich immer wieder epidemisch ausbrechende Medienecho vom „Krieg auf der Straße“ abmildern. Das weitere Engagement im Ausbau von Fahrradtourismus und -sport sowie die Betonung der Verkehrserziehung sind da ein sinnvolles I-Tüpfelchen. Auch die Intensivierung der Fahrrad-Elektromobilität wird – auch das ist löblich – angestrebt. So soll auch die gewerbliche Nutzung, etwa für das innerstädtische Kleintransport-Gewerbe, mehr ausgeschöpft werden.

Insgesamt macht der NRVP einen soliden und durchdachten Eindruck. Der Bund tritt als Teilgeldgeber und Moderator auf, der auch zwischen Modellregionen als Spitzenfeld der Fahrradverkehrspolitik und bisherigen Schlusslichtern vermittelt und den Erfahrungsaustausch ermöglichen will. Eine ressourcenübergreifende Arbeitsgruppe soll sich innerhalb der Regierung mit der Fahrradförderung befassen und sogar – das ist eher symbolischer Natur – ein Fahrradbeauftragter wird im Bundesverkehrsminister ernannt werden. Mit finanziellen Fördersystemen soll den Kommunen zudem unter die Arme gegriffen werden, um gemeinsam den Ausbau voranzutreiben. Wird der NRVP so in die Praxis übersetzt, wie er sich derzeit gestaltet, dann rollt der Fahrradverkehr in Deutschland einer grünen Zukunft entgegen.

Den NRVP hier zum Download.

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