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Mobilität in München

Zebramobil: Im Gespräch mit dem Geschäftsführer

Einer der Gründer von Zebramobil, Matthias Hoene, schildert im Gespräch mit mobilaro die Besonderheiten seines Unternehmens und die Vorteile eines stationslosen Modells. Zudem erklärt er, warum Carsharing das urbane Mobilitätskonzept für die Zukunft ist und vor welchen Herausforderungen er dies sieht.

Wie kam es zur Idee, Ihr Unternehmen zu gründen? Und welche Beweggründe stecken dahinter?

Geschäftsführung ZebraMobil

Geschäftsführer von ZebraMobil (Quelle: ZebraMobil)

Matthias Hoene: Sowohl mein Mitgründer Michael Ohr als auch ich hatten uns zum Ziel gesetzt, nach einigen erfolgreichen Jahren in der Automobilindustrie und bei Beratungen ein eigenes Unternehmen zu gründen. Zudem wollten wir etwas „Sinnvolles“, Nachhaltiges und Nützliches schaffen. Carsharing ist ein altbekanntes Konzept, das sich bislang in Deutschland noch nicht hat durchsetzen können. Es wird aber ein immer wichtigerer und notwendigerer Bestandteil der urbanen Mobilität werden. Die Ausgangsidee hinter ZebraMobil ist daher, ein Angebot zu schaffen, das Carsharing zum Durchbruch verhilft.

Können Sie Ihre Unternehmensphilosophie kurz beschreiben?

Hoene: Wir haben ein einziges Ziel, nämlich die beste Alternative zum eigenen Auto zu bieten. Und dabei nutzen wir die Vorteile eines kleinen Startup-Unternehmens, die da sind: größere Kundennähe, Flexibilität und Geschwindigkeit bei der Entscheidungsfindung.

Wie hoch schätzen Sie Ihren Beitrag zu Umweltschutz und Nachhaltigkeit ein?

Hoene: Dass Carsharing dazu beiträgt, den ruhenden und den fahrenden Verkehr zu entlasten, ist bereits in vielen Studien belegt worden. Wir arbeiten daran, diese Nachhaltigkeitseffekte für größere Zielgruppen wirksam zu machen. Unsere Positionierung als bester Ersatz für das eigene Auto ist darauf ausgerichtet, unseren Beitrag zum Umweltschutz zu maximieren. Die gute Symbiose mit dem Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) drückt sich unter anderem in unserer Partnerschaft mit der Münchner Verkehrsgesellschaft aus.

Warum ist Carsharing Ihrer Meinung nach nicht nur ein temporäres Phänomen, sondern von Dauer?

Hoene: Alle Trends zeigen in dieselbe Richtung, nämlich dass sich neue Mobilitätsmodelle allgemein und speziell modernes, kundenfreundliches Carsharing weiter durchsetzen werden. Der Stellenwert eines eigenen Autos gerade bei jungen Leuten nimmt ab – auch wenn der Stellenwert des Autofahrens relativ hoch bleibt. Der technische Fortschritt – Smartphones, Fahrzeugelektronik, Vernetzung etc. – ermöglicht neue, flexible Formen des Carsharings. Der zunehmende Verkehrsdruck in praktisch allen Großstädten erfordert es, über effizientere Nutzungsformen der teuren Ressource Auto nachzudenken. Und nicht zuletzt drängen viele Anbieter mit neuen Angeboten auf den Markt – für die ZebraMobil ein Vorreiter war. Ich bin überzeugt: Das Carsharing wird sich weiter ausbreiten und in ein paar Jahren ganz selbstverständlicher Bestandteil des städtischen Mobilitätsmixes sein.

Worin unterscheiden Sie sich von anderen Anbietern?

Hoene: ZebraMobil ist der einzige konzernunabhängige Anbieter für flexibles Carsharing. Wir haben nur ein erklärtes Ziel, nämlich den besten Ersatz für das eigene Auto zu bieten, und haben keine Interessenskonflikte mit Gesellschaftern wie Autoherstellern oder -vermietern. Das wirkt sich ganz konkret so aus: Mit uns fahren Sie so spontan und komfortabel wie mit dem Privatwagen, müssen nicht reservieren und können das Auto vor der eigenen Tür abstellen. Günstiger als mit dem eigenen Auto sind Sie ohnehin, ob Sie kurz einkaufen oder über ein verlängertes Wochenende verreisen. Wir haben dem Carsharing einige Innovationen beschert, die es bislang nur bei uns gibt, von der Fahrzeuglokalisierung per SMS bis zur 10-Minuten-Kostenbremse bei der Parkplatzsuche. Und die Kundennähe eines kleinen Unternehmens bieten wir außerdem: Nicht nur, dass bei uns häufig der Chef persönlich ans Telefon geht, sondern wir bringen auch mal ein vergessenes Handy vorbei oder ersetzen eine verlorene ZebraCard kostenfrei am Samstagabend. Viele Verbesserungsvorschläge der Kunden setzen wir kurzfristig und unbürokratisch direkt um.

Über wie viele Fahrzeuge verfügt Ihre Flotte und wonach wählen Sie die entsprechenden Fahrzeugmodelle aus?

Fahrzeug ZebraMobil

ZebraMobil fährt Audi (Quelle: ZebraMobil)

Hoene: Wir haben zur Zeit 60 Autos und werden bis Anfang 2013 auf 100 Autos aufstocken. Im Moment besteht die Flotte aus Audi A1 und Audi A3, fast alle mit Automatik und alle mit Navigationssystem. Wir möchten bei den Fahrzeugen ein Optimum an Alltagstauglichkeit, Parkbarkeit, Komfort bieten und Umweltverträglichkeit, also niedrigen Verbrauch erreichen. Außerdem ist es unser Anspruch, die Autos stets in einwandfreiem Zustand zu halten. Unsere Kunden sind mit den Fahrzeugen sehr zufrieden.

Kann man Ihren Service im gesamten Münchner Stadtgebiet nutzen? Und planen Sie künftig eine Ausweitung des Angebots?

Hoene: Wir decken inzwischen die gesamte erweiterte Innenstadt Münchens ab, nämlich den größten Teil der Fläche innerhalb des Mittleren Rings und an einigen Stellen darüber hinaus. In den nächsten Wochen und Monaten stocken wir die Flotte weiter auf und werden dann auch weitere Gebiete in München erschließen. Und ab dem nächsten Jahr kann man sich auf ZebraMobil auch in anderen Städten freuen.

Glauben Sie, dass sich Carsharing auch außerhalb urbaner Räume durchsetzen kann?

Hoene: Da bin ich ein wenig skeptischer: Carsharing lohnt sich vor allem für die Menschen, die nur gelegentlich auf ein Auto angewiesen sind. Und diese Menschen leben vor allem in Ballungsräumen mit guter ÖPNV-Abdeckung. Außerhalb dieser Räume brauchen die Menschen tendenziell eher eigene Autos, und wegen der geringeren Bevölkerungsdichte leben im Einzugsgebiet eines Carsharing-Autos weniger Menschen.

Ihre Fahrzeuge müssen nicht an Stationen abgeholt/zurückgebracht werden: Was spricht für das „stationslose“ Modell und mit wie viel Mehraufwand ist es realisierbar? Kann ich bei Ihnen wirklich überall parken?

Hoene: ZebraMobil ist eine Mischform aus stationsbasiertem und stationsunabhängigem Carsharing: Unsere Autos stehen direkt an der Straße, sind aber den Parkzonen des städtischen Parkraummanagements zugeordnet. Dadurch werden ZebraMobile genau wie Anwohnerfahrzeuge geparkt und stehen durch den Verzicht auf Einwegfahrten nicht in Konkurrenz zum ÖPNV.

Wir glauben, dass stationsunabhängiges Carsharing die Akzeptanz und Verfügbarkeit der Carsharing-Fahrzeuge erheblich steigert. Sie sind im Straßenbild sichtbar; und die Autos können dort stationiert werden, wo viele Menschen leben, nicht nur dort, wo gerade Parkplätze verfügbar sind. Es hängt von der jeweiligen Stadt ab, aber in weiten Teilen zum Beispiel der Münchner Innenstadt gibt es keine für Carsharing geeigneten privaten Stellplätze – von den Kosten ganz abgesehen. Unsere Kunden können den Wagen in ihrer Parkzone dort abstellen, wo es ihnen am besten passt. Der offensichtliche Nachteil ist natürlich, dass man nach einem Parkplatz suchen muss. Um diesen Nachteil auszugleichen, haben wir unter anderem unsere Kostenbremse für die Parkplatzsuche eingeführt.

Ein solches stationsunabhängiges System erfordert vor allem technischen Mehraufwand, um den Kunden und dem Flottenmanagement in Echtzeit den Standort und Status jedes freien Autos zu übermitteln.

 

Herr Hoene, vielen Dank für das Gespräch!

Zebramobil: Im Gespräch mit dem Geschäftsführer, 4.5 out of 5 based on 2 ratings

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2 Kommentare »

  1. 10. August 2012 10:53 Uwe

    colle Jungs!

  2. 14. September 2012 21:30 Gerry Boiciuc (@gerryboiciuc)

    Grossartige Sache. Freue mich schon die Macher mal persoenlich zu treffen. Waere klasse! Super Interview!

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