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Automobilhersteller und Carsharing

Die Zeichen der Zeit erkannt

Die Ergebnisse der Trendforschung sprechen eine eindeutige Sprache: Wo die Mobilität auch ohne eigenes Fahrzeug gewährleistet ist, verzeichnen Autohändler eine nachlassende Nachfrage. Eine Bewusstseinsänderung, die mittlerweile auch den Automobilherstellern bewusst geworden ist, die damit begonnen haben, ihre Kunden mit eigenen Carsharing-Modellen an sich zu binden.

Besonders bei der jüngeren Generation verliert das Auto seine Funktion als Statussymbol. Ständig steigende Kosten und hohe Parkgebühren in den Städten tragen zusätzlich dazu bei, die Attraktivität eines eigenen Autos zu mindern. Dazu kommen häufige Staus und ein zunehmend restriktives Vorgehen gegen den motorisierten Individualverkehr. Der öffentliche Personennahverkehr wird daher besonders bei den Berufspendlern immer beliebter und der noch recht junge Wirtschaftszweig Carsharing wächst im Bereich von 20% im Jahr.

Die Automobilindustrie will dieser Entwicklung nicht tatenlos zusehen. So hat zum Beispiel Mercedes Benz mit der Marke Smart ein Angebot geschaffen, das ganz speziell für den Nahverkehr entwickelt wurde. Nicht ohne Grund hat man den Smart von Anfang an nicht einfach als einen weiteren Kleinwagen, sondern als Teil eines kompletten Mobilitätskonzepts vermarktet. Und nicht ganz zufällig ist Mercedes Benz das erste Unternehmen, das mit einem eigenen Carsharing-Konzept auf den Markt kam.

Das car2go getaufte Produkt wird derzeit in mehreren Ländern eingeführt und soll zügig ausgeweitet werden. In Deutschland sind Berlin, Düsseldorf, Hamburg und Ulm die Vorreiter. Bei car2go werden ausschließlich Smarts eingesetzt, die innerhalb eines definierten Geschäftsgebiets nach der Benutzung einfach geparkt werden und dann für den nächsten Mieter zur Verfügung stehen.

Einen anderen Weg geht Peugeot mit seinem „Mu“ getauften Projekt. Im Mittelpunkt steht hier die Nutzung unterschiedlicher Fahrzeuge aus einem Mietpool – vom Scooter für den Freizeitspaß über das Cabrio für die Spritztour bis zum Transporter für den Umzug. Dahinter steht der Gedanke, dass kein Auto für alle Zwecke ideal geeignet ist und man will den Kunden die Möglichkeit bieten, sich für besondere Mobilitätsaufgaben problemlos das jeweils passende Fahrzeug mieten zu können.

Marktforscher haben errechnet, dass sich Carsharing für die Hersteller nur bei einer hohen Auslastung wirklich rechnet. Der Umsatz im betreffenden Fahrzeugsegment geht dabei zwar um rund 10% zurück. Das ist aber kein wirklicher Verlust, denn die Carsharing-Fahrzeugflotte ist einem hohen Verschleiß unterworfen und muss in entsprechend kurzen Abständen ersetzt werden.

Das Hauptproblem liegt jedoch auf einem ganz anderen Gebiet. Momentan stützen sich die meisten Automobilhersteller vor allem auf ihr eigenes Netz an Händlern und Verkaufsniederlassungen. Entsprechend dünn ist die Anzahl der Übergabestützpunkte, was das Angebot nur für wenige Kunden wirklich interessant macht. Carsharing funktioniert eben nur dann wirklich gut, wenn der Kunde ohne große Umstände und lange Wege auf ein Fahrzeug zugreifen kann. Und es wird zur idealen Lösung, wenn er dabei je nach Anforderung unter unterschiedlichen Fahrzeugtypen wählen kann.

Momentan sehen die etablierten Carsharing-Anbieter der neuen Konkurrenz eher gelassen entgegen. „Zu teuer und zu unflexibel“ lautet das Urteil, während man weiter daran arbeitet, das eigene Netz an Übergabestationen weiter auszubauen und damit die Kundennähe zu erhöhen. Aber die Entwicklung bleibt spannend, während der Markt wächst und sich immer mehr Menschen mit neuen Formen der Mobilität anfreunden.

 

 

 

 

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1 Kommentar »

  1. 10. Juli 2012 13:28 Ume

    Wenn BMW, Mercedes und Co sich jetzt nicht bewegen, sind sie in 20 Jahren nicht mehr im Geschäft….

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